Ja, ihr wart brav, und darum erzähle ich euch heute von Tante ´La, denn sie ist dabeigewesen, damals, in der sagenumwobenen Schwarzen Nacht der Mopeds, sie knatterte mit und kann davon berichten.
Es war ein Samstagabend auf dem Land, vor ungefähr sehr vielen Jahren, die Landjugend hatte durchaus schon die Idee des Wochenendsaufens verstanden und gutgeheissen, allerdings mangelte es in der Einöde an brauchbaren Lokalitäten. In den Häusern wachten Großmütter, Tanten und Mütter, sie hatten auch ein katholisches Auge auf Scheunen, Ställe und Nebengebäude gerichtet, also fielen diese Örtlichkeiten für spontane Orgien aus.
Die Dorfwirtshäuser wurden traditionell von Vätern, Onkeln und traschenden Junggesellen besetzt, dort klatschten Karten auf Resopaltische, es wurde lallend um Runden gespielt, gelegentlich entstand eine spontane Brauchtumsprügelei, aber ansonsten - fad, ausserdem konnten die Mädels sich dort nicht blicken lassen, wegen des guten Rufs. (Die Väter ließen sich bei ihren Vergnügen nicht gern von den Töchtern zuschauen - so war das.)
Also war, wer ein Moped hatte, lässig dran, er konnte in weiter entfernte Kuhdörfer ausweichen und dort die Sau rauslassen.
“Wo fahrma hin?” war also garnicht unbedingt die Frage, sondern “wer fahrt mit?” und so wurde jedes Moped besetzt und angestartet, auf gings, über den Berg.
Schwarze Nacht - die Freunde und Helfer wachten am Strassenrand, und als die erste Zündapp um die Kurve knatterte, winkten sie ihr - nicht freundlich. Sie beanstandeten einiges, das Moped musste abgestellt und stehengelassen werden, zwei Freunde standen am Strassenrand. Nicht lange natürlich, denn, als die Schmier entschwunden war, packten die nachkommenden Freunde sie mit auf - man lässt in der Pampa niemanden im Stich - fuhren auf zwei Zweirädern je drei, das geht sich schon aus, rutsch weiter vor auf den Tank, du Dillo.
So erreichte der Konvoi die erste Labestation ohne weitere Schwierigkeiten, darauf ein Rüscherl, ex oder Orschloch! Eins geht immer noch!
Man beschloss das Lokal zu wechseln, um nichts von dieser, noch nicht so schwarz wirkenden, Nacht zu verschwenden.
Es war in der Zeit vor jeglicher Helmpflicht, man fuhr mit Schlapfen, Flatterhemden und kurzen Hosen und war überhaupt sehr cool, damals.
Nur die Herren Bullen waren uncool, sie standen schon wieder im Weg.
Diesmal aber war die Sicht - weil eine gerade Strecke - viel besser, so gelang es den meisten Mopedreitern rechtzeitig zu wenden, Stellung in einem Feldweg zu beziehen (es hat schon was für sich, Finsternis hilft!) und das Ende der Amtshandlung, welche - eh klar! - Fredls Mitnahme samt dessen Gefährt einschloss, vorüber war. Das lag daran, dass er stur auf die Feinde zu hielt, sein Sozius aber sprang beherzt ab, als er Fredls merkwürdige Reaktion erkannte und duckte sich hinter eine Fichte.
Man schlichtete um, bestieg erneut etwas gedrängt die Mopeds, wurscht, besprach Fredls wohlbekanntes Pech - den Trottel dakleschns ah imma - der legt sie, wenn er agsoffn is, mit an jeden oh - aber der Hansl war schlau, dass er ohsprunga is - echt schlau, i scheiß mi oh! und dann ratterten alle weiter, zur Susi, die hat noch offen, bestimmt.
Das hatte sie auch, schenkte aus, bedauerte den herben Verlust zweier Fahrzeuge professionell mit, spendierte eine Trostrunde, dann kam noch eine Runde auf den Schreck, eine auf den Sieg - uns hams ned kriagt - es wurden rund fünf Runden oder sechs - rund ma lieber auf.
Susi sperrte, man startete erneut, eines der Mopperln wollte nicht mehr anspringen und blieb also stehen, doch los gings, heimwärts, ziemlich verschwommen die Strasse…die aufgemotzten Mopeds fetzten rööööööhr tadacktadack durch schlafende Dörfer.
Das ist das wahre Leben!
Die Unnötigen waren auch wieder da. Durchs Geäst am Waldrand erkannte man schon, da steht ein weißer Kombi mit Blaulicht -Scheiße!
Diesmal aber waren die Reaktionen schon eingespielt, alle überzähligen Beifahrer sprangen ab und rannten sternförmig in die Botanik, Mopeds flogen rechts und links in den Strassengraben, und Tante `La, welche ein Moped lenkte, das mit drei Personen etwas überbesetzt war, vergaß sich in der allgemeinen Massenflucht und sprang ebenfalls ab, woraufhin das treue Ross nur kurz alleine weiterfuhr und sich dann ermattet an einen Baumstamm lehte.
Die Heh aber, völlig überrascht vom Tumult, zählte nicht die Flüchtenden und war auch nicht in der Lage, diese Zahl durch die der Mopeds zu dividieren, sie mussten erst ihrer Verblüffung Herr werden und Nachdenken.
Bruder Baum bot Deckung, es raschelte im Unterholz. Die Exekutive dachte nach. “Kummts ausse, es Deppen!” riefen sie. Die Deppen, zwar schwer angeschlagen aber nicht gänzlich von Sinnen, blieben im Gebüsch verborgen. Die ernsten Herren wollten nicht heimgehen, die Gesellschaft nicht ewig in den Büschen bleiben, es begann unter allgemeinem Geraschel, unterdrücktem Gekicher, leisen Kotzgeräuschen und “do samma” Rufen ein ungeordneter Rückzug. Die Blaulichtkameraden bewachten sich selbst und ein paar traurige Mopeds.
Das tapfere Grüppchen trapperte auf einer Nebenstrasse Richtung Heimat, von hinten bekannte Knattergeräusche - Fredl, endlich entlassen (wir erinnern uns - der Kamikaze). Fünf passen auf ein Moped, des geht locker, wenn der fünfte quer liegt - (nein, ich kann da jetzt keine Skizze machen). So wurde die erste Partie aufgeladen, das Moped keuchte und fuuuuhr gaaaanz laaaangsam, aber es fuhr.
Bis dorthin, wo das allererste, (das auf Befehl der Heh auf Grund verbotener Auffrisierung abgestellt werden musste) brav am Strassenrand stand. Es ist nicht leicht, ohne Werkzeug mit Promillen ohne Licht und auf schwankendem Boden ein Moped ohne Schlüssel zu starten, aber “nullproblemo” wurde dies erledigt, wieder fünf, des geht sich fast aus.
Sonst passierte in jener Nacht nicht mehr viel, die Nachhut zu Fuß sprang bei nahenden Autogeräuschen jeweils zur Sicherheit in den Strassengraben, erkannte aber dann das Auto eines heimzockelnden Bekannten, der wurde aufgehalten und stellte plötzlich fest, dass sein Wagen mit freundlichen Teenagern bepackt war, die darum ersuchten mitgenommen zu werden. Achja, und eines der zwei Mopeds hatte einen doppelten Reifenplatzer vorm Dorf - unerklärlich, warum.
Tante La, liebe Kinder, war dabei, und wenn sie es erzählt, dann schmeckt man direkt den Staub der Bankette und riecht das heiße Öl, das auf dem Auspuff verglüht. Ich war brav daheim im Bett natürlich, daher kann sein, es war nicht ganz genau so, aber so wirds erzählt…