Archiv für Oktober 2008

Fremdenverkehr

Samstag, 11. Oktober 2008

Hier am Land, genauer gesagt, hier in den Wäldern, wo die Nachkommen der Holzfäller und Köhler immer noch ihre eigenen seltsamen Bräuche pflegen und  archaische Rituale aus den Tiefen der finsteren Wälder die Zeiten überdauert haben, ebenso wie die Vorliebe für über Holzrauch haltbar gemachte Lebensmittel, da kann die Gemeindeärztin noch so fengschui-antroposofisch-homöopatisch Magnetresonanz-Vernunft predigen, es schmeckt uns so, auf gsund wird pfiffn!

Wenn wir feiern, wird gerauft, wenn wir saufen, dann bis zum Umfallen, kein richtiger Mann kotzt, putzt oder schiebt den Kinderwagen, die Ehefrauen werden beinahe so geschätzt wie die persönlichen Motorsägen, allerdings sind die Motorsägen vieler Männer legendär, die Ehefrauen eher nicht.

Es ist allerdings nicht leicht, angestammtes Brauchtum ungestört auszuüben. Zuagraste Wiener (als solche werden alle nicht an der Sprache eindeutig als Piefke erkennbare Personen verächtlich bezeichnet), in höheren Schulen verdorbene Einheimische, hochnäsige Beamten der Landesregierung die hier billigste Gründe (leider nicht in den Arsch) geschoben kriegten und “Geldige” die sich hier Häuser kaufen obwohl wir sie so schlecht wie möglich behandeln, versprengte Grüne, Etnologen, eingeborene Verrückte und was es da noch alles an störenden Elementen gibt, am schlimmsten sind wohl die selbstlosen Welt-im-allgemeinen-Verbesserer, all diese Elemente unterspülen die Fundamente unserer Identität.

Wenigstens halten wir uns die Touristen vom Leib.

Fremdenverkehr! Geh biiiiiiiitteh! Warum solln wir mit Fremden verkehren?

Sicher, der Tourismusverband verlangt, dass man Bänkchen aufstellt.

bank

OOOOKEEEHHHH! Sonst noch was?

Markierte Wanderwege?

Aber gern! Sehr gern! Machma gleichsofortinderMinutenoch! Hähähähihihuahuahua (belieb lang fortzusetzendes irres Igor-Gelächter, mehrere Freiwillige mit Promillen und ohne Plan, fast ausgetrocknete Farbkübeln nebst vergessenen Pinseln,  ein blindes Ehrenmitglied, vom Veitstanz geschüttelt an der Spitze der Expedition  zog also der örtliche “Verschönerungsverein” aus, den Touristen das Fürchten zu lehren)

Touristen! Pack! gehts nach Kärnten, die wolln euch.


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