Fremdenverkehr
Hier am Land, genauer gesagt, hier in den Wäldern, wo die Nachkommen der Holzfäller und Köhler immer noch ihre eigenen seltsamen Bräuche pflegen und archaische Rituale aus den Tiefen der finsteren Wälder die Zeiten überdauert haben, ebenso wie die Vorliebe für über Holzrauch haltbar gemachte Lebensmittel, da kann die Gemeindeärztin noch so fengschui-antroposofisch-homöopatisch Magnetresonanz-Vernunft predigen, es schmeckt uns so, auf gsund wird pfiffn!
Wenn wir feiern, wird gerauft, wenn wir saufen, dann bis zum Umfallen, kein richtiger Mann kotzt, putzt oder schiebt den Kinderwagen, die Ehefrauen werden beinahe so geschätzt wie die persönlichen Motorsägen, allerdings sind die Motorsägen vieler Männer legendär, die Ehefrauen eher nicht.
Es ist allerdings nicht leicht, angestammtes Brauchtum ungestört auszuüben. Zuagraste Wiener (als solche werden alle nicht an der Sprache eindeutig als Piefke erkennbare Personen verächtlich bezeichnet), in höheren Schulen verdorbene Einheimische, hochnäsige Beamten der Landesregierung die hier billigste Gründe (leider nicht in den Arsch) geschoben kriegten und “Geldige” die sich hier Häuser kaufen obwohl wir sie so schlecht wie möglich behandeln, versprengte Grüne, Etnologen, eingeborene Verrückte und was es da noch alles an störenden Elementen gibt, am schlimmsten sind wohl die selbstlosen Welt-im-allgemeinen-Verbesserer, all diese Elemente unterspülen die Fundamente unserer Identität.
Wenigstens halten wir uns die Touristen vom Leib.
Fremdenverkehr! Geh biiiiiiiitteh! Warum solln wir mit Fremden verkehren?
Sicher, der Tourismusverband verlangt, dass man Bänkchen aufstellt.
OOOOKEEEHHHH! Sonst noch was?
Markierte Wanderwege?
Aber gern! Sehr gern! Machma gleichsofortinderMinutenoch! Hähähähihihuahuahua (belieb lang fortzusetzendes irres Igor-Gelächter, mehrere Freiwillige mit Promillen und ohne Plan, fast ausgetrocknete Farbkübeln nebst vergessenen Pinseln, ein blindes Ehrenmitglied, vom Veitstanz geschüttelt an der Spitze der Expedition zog also der örtliche “Verschönerungsverein” aus, den Touristen das Fürchten zu lehren)
Touristen! Pack! gehts nach Kärnten, die wolln euch.

12. Oktober 2008 um 10:45
Hihihihi, wie wahr wie wahr!
Ganz Niederösterreich ist von aufs-Land-ziehenden Wiener Familien besetzt. Ganz Niederösterreich? Nein! Ein kleines niederösterreichisches Dorf leistet noch Widerstand!
20. Oktober 2008 um 12:23
Und was ist mit Nichtwienern, die in Wien wohnen und wieder in die Heimat zurückkehren wollen (so wie ich)? Werden die wegen Fahnenflucht geteert und gefehdert? Werde sie gesteinigt und gefoltert und mit verdrehten Gliedmaßen nach Wien zurückgejagt?
20. Oktober 2008 um 18:23
eigentlich eine gute Idee! aber nöööö, wir sind ja keine Unmenschen! Wenn sie der Feuerwehr beitreten, im Wirtshaus Runden zahlen, sich wochenlang gutgelaunt verorschen lassen und dann immer noch Runden zahlen, sich nicht großkotzig/besserwisserisch/wienerisch benehmen, uns nicht ändern wollen, im Winter Bärenfutmützen und im Sommer ihre eigenen Stachelbeinchen tragen, wenn sie nette Kerlchen sind, gute Geschichten erzählen und sonst noch allerhand können, dann tun wir sie liebhaben. Oder zumindest tolerieren. Kommt drauf an. Wie grad der Mond steht und so.
21. Oktober 2008 um 14:05
Kläglich verklagend…
Mein Darling desertmum schrieb vor kurzem über Verkehr mit fremden aber echten Männern im Waldviertel:
… Wenn wir feiern, wird gerauft, wenn wir saufen, dann bis zum Umfallen, kein richtiger Mann kotzt, putzt oder schiebt den Kinderwage…