Der Fänger

Um diese Jahreszeit trappeln und knabbern die kleinen und die großen Asylanwärter wieder an unserem Dach, scharren und schieben, bis sie im gelobten Land ! endlich! drinnen! auf unserem Dachboden sind. Direkt überhalb meines Bettes trippeln sie dann Nachts umher und ich wälze sofortestens finstere Mördergedanken - Mäusegift und Rattenfallen kommen zum Einsatz, zack die Bohne, ist das Mäuschen auch schon gefangen oder vergiftet und stirbt.

Sie sterben langsam - was mir wurscht wäre - und laut - was mich stört, denn ich bin sensibel.

Ich habs nicht gern, dieses verzweifelte Scharren, warum, ihr Tierchen, warum bleibt ihr nicht draussen? Bildet kleine, flache Pelzhäufchen an den Seitenstreifen von Autostrassen, dort gehört ihr hin und stört niemanden, im Gegenteil, die müde wartenden Bussarde freuen sich sehr über euch.

Ich hingegenen freu mich nicht, muss  euer Eindringen, eure nächtlichen Aktivitäten  und schließlich euren Todeskampf mitanhören, knister, scher, kratzkratz.

Und man darf nicht einmal was sagen!

Ich bin ja umgeben von irregeleiteten Tierfreunden, der Trottelnachbar, der Winters die Polizei ruft, weil der arme! Huskie! im Schnee! in den Garten gesperrt ist! ist keine Ausname, nein, rundum lauter verweichlichte Luschen, die Leguane hätscheln in Aquarien, Wiesel und Frettchen zum Tierarzt schleppen und halbverweste Igel von Fahrbahnen kratzen und versuche sie mittels Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben.

Diese kranken Ideen  nehmen überhand, kaum wo darf man mehr tschicken, und bald wird man nirgendwo mehr Fleisch von Tieren essen dürfen, nurmehr so Sojatofuzeugs, ich fühl mich schon ganz elendiglich, so wie der Petrovich ihr vegetarische gefüttertes Krokodil….pfuispinne, Sachen gibts! Das is bitte unnatürlich!

Aber es gibt noch Helden, einige wenige stellen sich noch dem Kampf, einige wenige trauen sich noch laut “Ungeziefer!” zu sagen, wenn sie eines erblicken, und ER, der “erfahrene und über Österreichs Grenzen hinaus bekannte Wühlmausfänger Johann Hanserl” gibt mir Hoffnung:

Dieses großartige Bild, welches die Zeitung des Vereines Wieseninitative in ihrer Ausgabe Nr. 55 abgedruckt hat, will und kann ich euch nicht vorenthalten:

Ein Mann, stolz auf seine Arbeit, fotografiert mit seiner Beute, mit strahlender Laune.

Ein richtiger Mann, wie er sein soll, mit einer Mission, die er erkannt hat und erfüllt.

Die aktuelle Ausgabe (Nr.56) dieses Druckwerkes berichtet dann auch, dass der Wühlmausfänger bei seinem letzten Wühlmausfangkurs 14 Wühlmäuse und 2 Maulwürfe, diese elenden Schädlinge aller Obstbaumkulturen, innerhalb von ein paar Stunden fangen konnte.

Ein Held, mit einem Wort.

Yo! eventuell engagiere ich ihn, sofern er Hasel- Wald- Spitz- und Hausmäuse ebenfalls fängt, Erfahrungen mit Ratten, Wieseln und Mardern wären auch kein Nachteil…

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7 Antworten zu “Der Fänger”

  1. Johannes sagt:

    solche viecher fängt man am besten mit pheromonen. und das geht so:
    du setzt dich im dachboden hin und meditierst.
    du stellst dir vor, du bist die mäusemama.
    nach einigerzeit richst du dann wie die mäsemama. (wegen den pheromonen, die du durch die meditation abgibst)
    dann werden die tiere zutraulich und kommen ganz von selber zu dir.
    so kannst du ihnen ganz einfach den hals umdrehen!
    streng biologisch und umweltverträglich, die ganze prozedur, wenn auch a bisi gemein…

  2. Desertmum sagt:

    danke, Süßer, nur ist mein Dachboden ein äusserst unwirtlicher Ort, kalt, zugig, gruseliges Zeugs steht und liegt herum, da will ich meinen Luxuskörper nicht platzieren … das wär ja auch eine Art von Arbeit, und dafür - richtig! - sind ja wohl MÄNNER zuständig.

  3. Johannes sagt:

    hm, ich bin aber nicht sicher, ob ein mann mütterliche lockdüfte verströmen kann…
    und bitte: wo bleibt denn die emanzipation?
    ich finde es toll, wenn frauen spinnen, mäuse und andere ungeziefer töten!

  4. Desertmum sagt:

    töten ja, ohne zu klagen, ich räum auch Kadaver weg…
    aber arbeiten generell sollten schon geteilt sein in : nette kleine weibliche Handarbeiten z.B. Gartenarbeit alles inkl. Bäume fällen aber ohne Rasenmähen, Hausarbeit nach Belieben, Fassade putzen ist Männerarbeit, Autoputzen auch - nur machen sie es nie, Schwiegermutterverscheuchen = Männerarbeit, Zeugen Jehovas scheuch ich selber gern… kurzum, alles was ich nicht gern mache ist Männerarbeit, BASTA.
    Schließlich bin ich ein Luxusweib, keine Emanze. Und das auch noch absichtlich.
    Solange meine Genossen “gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit” nicht durchsetzen ist die Emanzipation eine no-win Sache für mich, und ich brauche sie nicht.

  5. Johannes sagt:

    männerarbeit, frauenarbeit, kinderarbeit…
    so a bledsinn, arbeit ist für alle da!
    arbeit macht frei! arbeit macht das leben froh! arbeit durch dingsbums! arbeit macht arbeit!
    und so.

  6. Matla sagt:

    Darrrling, du schreibst so, wie du bist. Scharrrf.
    Übrigens, solltest du einmal etwas anderes loswerden wollen als Vieh: mein Schwert gehört dir.

  7. Desertmum sagt:

    Danke, Zupermän!

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